Meine Hilflosigkeit

Endlich fand alles eine Erklärung, einen Ursprung. Diese langsam über Wochen zunehmende Schläfrigkeit, diese plötzlich auftretenden Zustände tiefer Erschöpfung, so als hätte ich tagelang schwerste Gartenarbeit vollbracht. Dazu dieses scheinbar dauerhafte Rumoren im Bauch, diese launische Antriebslosigkeit und anderes mehr.

Einerseits sollte ich erleichtert sein, endlich die Ursache all dieser Beschwerden erfahren zu haben. Andererseits … tauchte da plötzlich ein verdammt unangenehmes, beklemmendes Gefühl der Hilflosigkeit in mir auf. Ja, ich fühlte mich vollkommen hilflos.

Natürlich weiß ich, was Gluten ist, was glutenfrei bedeutet und alles andere … schließlich bin ich diesbezüglich als Bäckermeisterin a.D. vom Fach. Vor Jahren kannte ich einen Kunden, der weder Gluten, noch Hühner-/ Geflügeleiweiß noch einige andere Nährstoffe zu sich nehmen durfte. Es war schon eine Herausforderung an mein ganzes Fachwissen und Können, für diesen Kunden zu backen.

Es ist aber etwas vollkommen anderes, ob man für jemand anderes gluten- und eiweißfrei backt, oder ob man plötzlich selber davon betroffen ist. Gegenüber anderen hat man nicht diese selbe Betroffenheit, wie sich selber gegenüber.

Heute, nach zwei Wochen hat sich mein Gefühl der Hilflosigkeit zwar etwas gelegt, aber weiter bin ich deswegen noch nicht wirklich gekommen. Außer, daß ich jetzt vierzehn Tage vollkommen glutenfrei esse.

Gefangen

Ich weiß ja nicht, wie es anderen, also wie es euch so damit geht. Ich kann nur für mich selber, aus meiner eigenen Perspektive heraus erzählen und schreiben.
Wenn ich zum Einkaufen in ein Geschäft gehe, fühle ich mich immer auf irgendeine Art und Weise wie gefangen. Ich gehe durch die diversen Gänge zwischen den einzelnen Regalen und überall … Plastik. So weit meine Augen reichen … Verpackungen aus Plastik oder Kunststoff.

Da überkommen mich immer unangenehme Gefühle von Ekel. Vor allem bei in Kunststoffen verpackten Lebensmitteln. Gibt es überhaupt noch etwas, das nicht in irgendeinem dieser blöden Kunststoffe verpackt wird? Wurstwaren … in Folie eingeschweißt. Käse … ebenfalls in Folie verpackt. Nudeln, Müslis, Reis u.v.a.m. … alles in Plastik verammscht. Papier oder Kartonagen kommen bestensfalls nur noch als sogenannte Umverpackung vor; wie zum Beispeil bei Müslis: man greift zu einer Schachtel und drinnen befindet sich das Müslis dann doch wieder nur in einer Kunststoffverpackung.
Ganz besonders grass wird es dann bei glutenfreien Lebensmitteln. Da gibt es praktisch nichts, was ohne Kunststoffverpackung daherkäme.

Als Kundin habe ich einfach keine freie Wahl, wie ich die Lebensmittel verpackt kaufen möchte. Ich werde von den Händlern und Produzenten im Grunde gezwungen, Lebensmittel und anderes in Plastik zu kaufen. Seither suche ich immer weiter nach Alternativen, nach Produkten, die in Kartonagen oder ganz unverpackt angeboten werden, insbesonder online. Denn online ist das Angebot eben doch größer. Da kann der Einzelhandel nicht mithalten. Der Einzelhandel heutzutage ist sowieso eigentlich kein echter Einzelhandel mehr; also Einzelhandel im Sinne von einzelnen Geschäften. Es sind mehr oder weniger große Ketten mehrerer Läden und Geschäfte.

Hat für mich schon etwas von Knast. Dort haben Menschen auch keine Wahlmöglichkeiten. Habe ich als Kundin eine Wahl, wenn ich im Supermarkt vor dem Regal mit dem Reis stehe? Entweder gleich in Kunststoff verpackt oder in diesen unnützen Kochbeuteln … die, ehrlich gesagt, überhaupt nicht praktisch sind.

Joghurt

Seit etwa einem halben Jahr mache ich meine Joghurt selber. Auslöser war für mich vor etwa einem Jahr die Feststellung, gekaufte Joghurt nicht mehr zu vertragen.

Es ist schon ein ungewöhliches Gefühl, wenn man merkt: ich esse da etwas, das mein Magen-Darm nicht mehr verträgt, nicht mehr will … mehr noch: kategorisch ablehnt. Etwas, was über vierzig Jahr nie ein Problem war: Joghurt essen. Jetzt geht es nicht mehr.

Das schöne daran, in einem Kuhdorf auf dem Land zu leben: es gibt hier eben auch Kühe. So, wie es sich für ein echtes Kuhdorf eben gehört.
Einmal die Woche, meistens am Samstag, gehe ich zum Bauern und hole uns dort eine Kanne Milch oder manchmal auch mehr. Dafür haben wir uns extra zwei Milchkannen aus Edelstahl besorgt. Hin und wieder kaufen wir dort auch frische Eier.

Keiner dieser Großbauern, sondern so ein Bauer wie von früher, nur eben moderner ausgestattet. Einer, der noch keine hunderte Kühe eingepferscht hat. Einer, bei dem Hühner und Puten frei über den Hof, den Garten usw. laufen und nur für die Nacht im Stall sind. Hier in der Gegend gibt es viele Marder, Füchse und andere Raubtiere. Da sollte man sein Geflügel schon für die Nachtstunden in den Stall holen. Und, wo auch die Kühe während der Wiedezeit draußen sind.

Es gibt übrigens nicht’s geileres, als frisch gemolkene, laufwarme Milch. Wow, ein Aroma, ein Duft nach frischer Milch. Einfach unvergleichlich. Wo gibt es so etwas noch in den Geschäften, oder Supermärkten, oder Discountern? Eben, nirgendwo.
Zu Hause koche ich die Milch dann in unserem Holzbackofen ab. Wie haben so einen Holzofen, mit dem wir im Winter auch heizen. Der Ofen hat ein Backfach, so wie man das von früher her kennt. Zum Anfeuern nehme ich bevorzugt Buchenholz. Buchenholz brennt gut an und liefert gute Wärme. Eichenholz brennt deutlich schlechter an, erzeugt dafür mehr und länger Wärme. Zum Abkochen der Milch ist das aber weniger gut.

Abkochen stimmt nicht so ganz. Ich erhitze die Milch in der Regel nur auf so etwa zwei- bis fünfundachtzig Grad. Das reicht vollkommen aus, um unerwünschte Keime abzutöten. In einer sauberen Glasflasche im Kühlschrank hält sich die Milch einwandfrei mindestens eine Woche und etwas länger.
Für die Joghurts lasse ich die Milch nach dem Abkochen aber einfach im Topf auf dem Tisch stehen und langsam abkühlen. Erreicht die Milch so etwa vierzig Grad, rühre ich drei, vier von meinen Joghurt der Vorwoche unter (sog. Animpfen), fülle alles in kleine, sauber Weck-Gläschen ein, die ich mit einem Glasdeckel und zwei Metallclips verschließe.
Die Gläschen mit der angeimpften Milch stelle ich über Nacht in ein Wasserbad mit etwa sechsunddreißig bis vierzig Grad. Für das Wasserbad verwende ich einfach eine große Metallschüssel oder Backform und für die Wärmezufuhr stelle ich alles auf den Holzbackofen (Reifung). Am nächsten Morgen stelle ich die fertigen Joghurt in den Kühlschrank. Dort halten sich die Joghurts mindestens eine Woche.

Ganz ehrlich: von diesen modernen Joghurt-Bereitern halte ich persönlich rein gar nichts. Verbrauchen nur sinnlos Strom, nehmen zusätzlich Platz im Schrank weg und sollten jedesmal gereinigt werden, damit sich keine unerwünschten Keime einschleichen. Einfach unpraktisch.

Ein kleiner Tip: bevor ich die Milch für die Joghurt im Holzbackofen abkoche, gebe ich hin und wieder frische Vanille oder Zimt in die Milch. Man kann auch andere Gewürze oder Kräuter in die Milch geben.
Die Zugabe von Honig ist weniger ratsam, enthält Honig natürliche, keimhemmende Stoffe. Diese verzögern dann die Reifung der Joghurt und die Haltbarkeit der Joghurt ist nicht ganz so gut.

Übrigens: während die Joghurt reifen, setzt sich der natürliche Joghurt nach unten ab und oben drüber setzt sich eine dünne Schicht Molke ab. So kannte ich das von früher von den Naturjoghurt her. Heutzutage, bei den Joghurt aus den Großmolkereien gibt es das alles nicht mehr. Ich schütte die Molke nicht einfach ab, sondern rühre sie unter den Joghurt, wenn ich mir zum Essen ein Gläschen aus dem Kühlschrank hole.

Echter, natürlicher Joghurt schmeckt leicht säuerlich und nicht süß. Die Joghurtkulturen verbrauchen bei richtiger Reifung den gesamten, von Natur aus in der Milch enthaltenen Milchzucker.
Sogenannte Natur-Joghurt aus dem Supermarkt schmecken meistens eher leicht süß, weil nachträglich Zucker oder Milchzucker untergerührt wurde.
Tja, und Joghurt mit Fruchtmischung oder dergleichen enthalten in der Fruchtmischung oftmals Bindemittel … und diese wiederum können zuweilen Gluten enthalten.